Vita

Ich möchte an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen, zwei unterschiedliche Versionen meiner aktuellen Biografie für die Lektüre bereitzustellen. Die erste ist mit ein paar individuelleren Worten über die bisherigen Geschehnisse, die andere ist für all diejenigen, die es dann doch lieber etwas klassischer bevorzugen.

Biographie persönlich

Normalerweise, wenn mich jemand nach meiner Herkunft fragt, antworte ich knapp: „Kurz gesagt: Geboren bei Bremen, aufgewachsen im Tessin.“ Meistens reicht das fürs Erste.

Komplizierter wird es, wenn das Gespräch auf meine Berufswahl kommt. Die Reaktionen auf meine Aussage, ich habe Alte Musik mit Hauptfach Cembalo studiert, sind so vielfältig wie die Menschen selbst. „Eierschneider“, „Nähmaschine“ oder „Mittelalterklavier“ gehören zu den häufigsten Assoziationen, die ich zu hören bekomme. Tatsächlich gibt es wohl kaum ein Instrument, das mit so vielen Vorurteilen behaftet ist wie das Cembalo – und das hat seine Gründe.

Nachdem das Cembalo gegen Ende des 18. Jahrhunderts endgültig vom Pianoforte verdrängt wurde – einem Instrument mit Hammermechanik, das es ermöglichte, nicht nur forte, sondern auch piano zu spielen –, fristete es im 19. Jahrhundert ein Nischendasein. Der Klavierbau jener Zeit war von Fortschrittsstreben geprägt: Konzertflügel wurden lauter, Konzertsäle größer, die Saitenspannung höher. Erst mit der Wiederentdeckung der Barockmusik im frühen 20. Jahrhundert erlebte auch das Cembalo ein Revival. Doch dieses „neue“ Cembalo war eine moderne Adaption: mit verstärkter Saitenspannung, Metallrahmen, Pedalen – eine Konstruktion, die mit den historischen Vorbildern kaum noch etwas gemein hatte. Alles, was den Klang eines Cembalos ursprünglich so reizvoll machte, ging in dieser Entwicklung verloren. Dennoch fanden viele dieser „modernen“ Cembali ihren Weg in Konzertsäle und private Haushalte, sodass sich ihr wenig überzeugender Klang tief ins musikalische Gedächtnis des Bildungsbürgertums einprägte. Kein Wunder also, dass dieses Klangbild bis heute das Cembalo in Verruf bringt.

Mittlerweile sehe ich das allerdings entspannter als zu Beginn meines Studiums. Heute gibt es eine Vielzahl exzellenter Cembalobauer, die ihre Instrumente nach historischen Vorbildern fertigen. Fast jede namhafte Musikhochschule hat eine Alte-Musik-Abteilung, und in Konzertsälen sowie im Klassikradio ist Alte Musik präsent. Dennoch: So fest im kollektiven Gehör verankert wie das moderne Klavier ist das Cembalo nach wie vor nicht. Es bleibt also noch einiges zu tun.

Meine schulische Laufbahn führte mich über Locarno, Schaffhausen und Basel schließlich an das Institut für Alte Musik der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen, wo ich Cembalo bei Marieke Spaans studierte. Sechs Jahre später, um viele Erfahrungen und akademische Grade reicher, zog es mich nach Basel, um an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis Generalbass und Ensembleleitung bei Jesper Christensen und Andrea Marcon zu studieren. Ursprünglich wollte ich dort vor allem Kammermusik machen und viele Projekte spielen – doch bald wurde mir klar, dass ich die Gelegenheit nutzen sollte, um mein Spiel noch einmal grundlegend weiterzuentwickeln. In den folgenden zwei Jahren erhielt ich entscheidende Impulse für eine stilistisch differenzierte Generalbass-Interpretation – eine Erfahrung, die mich musikalisch wohl am meisten geprägt hat. Im Sommer 2015 schloss ich mein Masterstudium mit Auszeichnung ab.

Während meiner Studienzeit in Trossingen gründete ich gemeinsam mit dem Lautenisten Johannes Ötzbrugger das Ensemble 392. Nach einer experimentellen Anfangsphase mit wechselnden Besetzungen ergab sich 2012 die Möglichkeit, am Deutschen Musikwettbewerb in Bonn teilzunehmen. Auf der Suche nach passenden Mitstreitern formierte sich unsere heutige Besetzung: Sopran, Traversflöte, Theorbe/Barockgitarre und Cembalo. Der Wettbewerb endete zwar mit einer Niederlage im Finale, doch wir erkannten, dass wir als Quartett hervorragend harmonierten – und dass unsere leicht ungewöhnliche Instrumentierung durchaus ihren Reiz hat. Im März 2016 erschien unsere Debüt-CD „Bouillabaisse“ beim österreichischen Alte-Musik-Label fra bernardo, zwei Jahre später folgte „L’Europpe“. Unsere Konzerte führten uns an renommierte Veranstaltungsorte wie die Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, das Konzerthaus Berlin, die Residenzwoche München und das Resonanzen-Festival in Wien.

Schon während meines Studiums entdeckte ich meine Leidenschaft für den Cembalobau. 2009 entstand aus einem Bausatz von The Paris Workshop mein erstes zweimanualiges Instrument nach Hemsch – ein Projekt, das mir nicht nur handwerkliche Fertigkeiten, sondern auch wertvolle Einblicke in die Bauweise historischer Meisterwerke vermittelte. Im Abschlussjahr meines Masterstudiums folgte ein weiteres Instrument derselben Werkstatt: ein leichtes, gut transportierbares italienisches Modell, das mich seither zu nahezu jedem Konzert begleitet und in beiden meiner solistischen CD-Einspielungen zu hören ist.
Im Sommer 2025 schließlich fand ein Zuckermann-Bausatz eines zweimanualigen flämischen Cembalos seinen Weg zu mir – und nur drei Monate später erklang es, fertiggestellt in meinem Wohnzimmer, zum ersten Mal. Vier Wochen später durfte es sein Debüt bei einem Konzert feiern.

Mit dem Ende meiner Studienzeit begann auch meine pädagogische Laufbahn. Zunächst als Stellvertretung, inzwischen fest etabliert, unterrichte ich an der Kreismusikschule Seetal eine wunderbare Klavierklasse und begleite meine Schüler auf ihrem musikalischen Weg.

Biographie klassisch

Tizian Naef studierte Cembalo bei Marieke Spaans am Institut für Alte Musik der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen, wo er 2012 sein Studium in den Studiengängen Diplom-Musiklehrer und künstlerische Ausbildung erfolgreich abschloss. Im selben Jahr erreichte er mit dem Ensemble 392 das Finale des Deutschen Musikwettbewerbs in Bonn.

Weitere künstlerische Impulse erhielt er in diesen Jahren durch Persönlichkeiten wie Linde Brunmayr-Tutz, Lorenz Duftschmid, Rolf Lislevand, Anton Steck und Lars Ulrik Mortensen. Ein anschließendes Studium in Generalbass und Ensembleleitung an der international renommierten Schola Cantorum Basiliensis bei Jesper Christensen vertiefte seine stilistische Differenzierung im Generalbassspiel. Ergänzt wurde seine Ausbildung durch das Studium Maestro al cimbalo bei Andrea Marcon, das er im Sommer 2015 mit großem Erfolg abschloss.

Neben seiner musikalischen Laufbahn widmete sich Tizian Naef auch dem Cembalobau: 2009 fertigte er ein zweimanualiges Cembalo nach Hemsch und 2015 ein italienisches Cembalo nach Bocalari, beide aus Bausätzen der  Firma The Paris Workshop. 2025 folgte der Bau eines zweimanualigen flämischen Cembalos aus einem Zuckermann Bausatz.

Seit 2016 veröffentlichte er mehrere CDs beim österreichischen Alte-Musik-Label fra bernardo, sowohl mit dem Ensemble 392 (Bouillabaisse, L'Europpe) als auch als Solist (ex g, Clavier-Büchlein). Seine Konzerttätigkeit führte ihn unter anderem zu den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik, ins Konzerthaus Berlin, zum Brunnenthaler Konzertsommer, zur Residenzwoche München sowie zum Resonanzen-Festival Wien.

Seit 2015 unterrichtet er an der Kreismusikschule Seetal.

using allyou.net